Die KjG-Kinderstadt ist eine sechstägige Ferienaktion für 200 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren und rund 100 Helfer*innen. Die Kinderstadt funktioniert wie eine richtige Stadt – nur dass sie komplett aus Kindern besteht. Hier bestimmen Kinder, was sie tun wollen und wie sie das gemeinsame Leben regeln.

 

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Betrieben und es gibt sogar eine eigene Währung – die Tacken. Die Kinder entscheiden selbst, in welchem Betrieb und wie lange sie arbeiten möchten, können ihr eigenes Geld verdienen und selber bestimmen, wie der Alltag in dieser Stadt geregelt werden soll. Natürlich müssen auch Steuern gezahlt und über wichtige Themen abgestimmt werden – zum Beispiel, wer Bürgermeister*in der Kinderstadt wird. Genau wie in einer richtigen Stadt.

 

Die KjG-Kinderstadt ermöglicht Kindern Politik direkt zu erleben. Schwierige Begriffe wie Steuern oder Partizipation werden vermittelt und erfahrbar gemacht. Mit diesen Erfahrungen können die Kinder eigene Werte und Visionen einer gerechten Gesellschaft entwickeln und in ihrer Stadt ausprobieren. Und sie haben jede Menge Spaß dabei.

 

 

 

Die Kinderstadt als Spielkonzept

Das Konzept der Kinderstadt basiert im Wesentlichen auf sieben Spielprinzipien:

 

1. Aufgabenverteilung

Alle Betriebe der Kinderstadt lassen sich einem der folgenden 6 Bereiche zuordnen:

  • Verwaltung (z.B. Rathaus, Agentur für Arbeit, Bank, Kinderstadtamt usw.)
  • Gastronomie (z.B. Café, Pizzeria, Edel-Restaurant)
  • Produktion (z.B. Schreinerei, Malerei, Druckerei usw.)
  • Dienstleistung (z.B. Post, Beauty-Salon, Fahrschule, Taxi usw.)
  • Medien (z.B. Zeitung, Radio, Kinderstadt-TV usw.)
  • Freizeit & Kultur (z.B. Kirche, Kino, Museum, Theater usw.)

Für die Durchführung der Kinderstadt ist es wichtig, dass jeder Betrieb einen abgegrenzten Aufgabenbereich hat und dieser etwas zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger*innen beitragen kann. So sorgt das Café für das leibliche Wohl der Kinderstadtbewohner*innen, die Bank ist für alle Finanzfragen verantwortlich und die Schreinerei produziert auf Nachfrage Schilder und Regale für die einzelnen Betriebe.

 

2. Vernetzung

Alle Bereiche und Betriebe sind miteinander vernetzt und stehen in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis.

Die Zeitungsredaktion gibt ihre Zeitung bei der Druckerei in Druck und bestellt bei der Schreinerei Zeitungshalter, damit die Zeitung im Kiosk verkauft werden kann.

Es ist wichtig, dass aus möglichst allen Bereichen Betriebe vorhanden sind und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den verschiedenen Bereichen herrscht.

Der Kurierdienst hat nur die Möglichkeit, etwas zu transportieren, wenn etwas produziert wird, die Zeitung kann nur über Dinge berichten, die woanders geschehen usw.

Das zentrale Element der Bereiche ist die Verwaltung. Sie ist die Schnittstelle aller Betriebe und für den reibungslosen Ablauf in der Kinderstadt zuständig. Im Gegensatz zu den anderen Bereichen sind ihre Aufgaben und Betriebe nicht frei wählbar und immer gleich.

 

3. Kreativität

Die Kinderstadt lebt von der Kreativität ihrer Bürger*innen. Die Projektleitung ist im Vorfeld dafür verantwortlich, für ein animierendes Umfeld zu sorgen und den Rest den Teilnehmenden zu überlassen. Es gibt kein fertiges Programm, sondern lediglich einen festen Rahmen, innerhalb dessen sich die Teilnehmenden frei bewegen und entfalten können. Liebevolle Details, wie eigene Briefmarken und Briefkästen, Musikinstrumente und Bauchläden zur Ausleihe oder eine richtige Massagebank im Wellness-Salon, regen die Kreativität der Teilnehmenden an und bilden den Nährboden für die notwendige Dynamik im Spielgeschehen.

 

4. Eigenständigkeit

Im Rahmen der Stadtregeln kann jede*r Teilnehmer*in machen, was sie oder er möchte. Alle Teilnehmenden können selbst entscheiden, welchen Job sie machen und wofür sie ihr Geld ausgeben.

 

5. Mitbestimmung

In der Versammlung aller Bürger*innen bestimmen diese selbst über die geltenden Regeln. Sie können bestehende Vorschriften in Frage stellen, diskutieren und je nach Mehrheitsentscheid verändern und erweitern. Vorbereitet und geleitet wird diese Versammlung von dem gewählten Bürgermeisterteam.

 

6. Geschlechtergerechtigkeit und Neues ausprobieren

Allen Teilnehmenden haben die Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren. Dabei ist es wichtig, dass die Teilnehmenden für die Betriebe kein Vorwissen benötigen und in unbekannte Bereiche „schnuppern“ können. Wichtige Ämter sollten paritätisch besetzt werden (z.B. Bürgermeisterteam mit Frau und Mann bzw. Mädchen und Jungen wählen). Die Kinderstadt-Kirche lässt natürlich auch Priesterinnen zu.

 

7. Wirtschaft

Jede Dienstleistung und jedes Produkt kostet in der Kinderstadt Geld – und für jede Tätigkeit bekommen die Teilnehmenden Lohn. Das Geld ist das Bindeglied zwischen den einzelnen Betrieben und der Motor des gesamten Spielsystems. Die privaten Betriebe müssen darauf achten, Einnahmen zu bekommen, die Verwaltung ist von den Steuereinnahmen abhängig. Im Kreislauf des Geldes spiegelt sich auch die Vernetzung der einzelnen Betriebe wieder: Geld verdienen macht für die Teilnehmenden nur Sinn, wenn sie es anschließend auch wieder ausgeben können.

Der selbst verdiente Lohn symbolisiert zusätzlich die Selbstbestimmung der Bürger*innen und ermöglicht es den einzelnen nicht nur als Arbeiter*in, sondern auch als Konsument*in an der Kinderstadt teilzunehmen.

 

 

 

* Mit dem Gender*Sternchen möchten wir allen Menschen gerecht werden, die sich nicht in die Geschlechterkategorien weiblich und männlich einordnen können oder wollen. – Mehr dazu auf http://www.kjg-koeln.de/themen_angebote/sexuelle_vielfalt/.